Arterien mit gesunder Ernährung in Schuss halten

Dr. med. Peter Ferenczy, Kardiologe der Diagnostik München, hat mit dem HARBOR Magazin darüber gesprochen, wie man seine Arterien, einschließlich Herz, pflegt.

Wer bislang gedacht hat, er ernähre sich fettarm und es erwarte ihn deshalb ein langes Leben, darf sich nun durch eine neue Megastudie eines Besseren belehren lassen. Besser Fette statt Kohlehydrate, stellte sie unter Beweis und Menschen die diesem Ratschlag folgen, hätten eine höhere Lebenserwartung. Wer hier besonders staunte, waren die Kardiologen. Bislang hieß es, fettarme Ernährung, ausreichend Bewegung und ein gemäßigtes Leben wirkten lebensverlängernd.

HARBOR Magazin: Sie müssten uns bitte zunächst die Fachbegriffe der Arterien-Erkrankungen erklären.

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Man nennt es „Atherosklerose“, wenn die Ablagerungen in den Arterien bereits teilweise verkalkt sind. Wenn die Anlagerungen nicht verkalkt sind, lautet der Fachbegriff „Atheromatose“, das ist ein aus Fettablagerungen bestehender, weicher Plaque, den man mit Medikamenten oder anhand der Ernährungsweise in seiner Dicke reduzieren kann. Bei der Atherosklerose handelt es sich hingegen nicht um Ablagerungen in der Arterie, sondern um eine Verdickung der Arterienwand. Bei einer Atherosklerose sind grundsätzlich alle Arterien des Körpers betroffen. Sie hat ihren Beginn, wenn man zur Welt kommt und die Erkrankung weitet sich im Laufe des Lebens aus. Wie schnell dieser Prozess von Statten
geht, hängt von diversen Faktoren ab, die das Fortschreiten zum Teil erheblich beeinflussen.“

HARBOR Magazin: Was sind das für Faktoren?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Einer der relevantesten Faktoren ist der Cholesterinspiegel und zwar der des schlechten LDL-Cholesterin (low density lipoprotein).“

HARBOR Magazin: Wie halte ich diesen Cholesterinspiegel niedrig?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Das ist zunächst einmal schwer zu sagen. Es gibt hier viele Methoden, wie zum Beispiel auf die Ernährung zu achten. Obwohl nun die neuesten Studien alles bisher Angenommene auf den Kopf stellen. Im Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft in Barcelona, Sommer 2017, wurde das Ergebnis der PURE-Studie veröffentlicht. Sie handelt davon, dass fettreiche Ernährung nicht unbedingt so schlecht ist, wie bislang angenommen.“

HARBOR Magazin: Und die Kardiologische Gesellschaft steht nun Kopf, weil sie immer proklamiert hat, man solle nichts Fettes essen, man müsse abnehmen und das Bauchfett sei schuld an Herzinfarkten?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Beim Bauchfett gehe ich nach wie vor davon aus, dass es schlecht ist. Das vermehrte Fettgewebe im Bauchraum hat eine ganz andere Struktur als zum Beispiel das Fettgewebe unter der Haut. Dieses Fettgewebe ist hormonell sehr aktiv und wirkt auch sehr ungünstig zum Beispiel auf die Gerinnungs-Parameter des Blutes. Die Flusseigenschaften des Blutes werden verschlechtert und allein das kann schon gefährlich sein. Die Hormon-Produktion des Fettgewebes wirkt zudem sehr ungünstig auf den gesamten Stoffwechsel. Deswegen gilt, es dieses Fettgewebe im Bauchraum unbedingt im Zaum zu halten.“

HARBOR Magazin: Ließe es sich denn einfach absaugen?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Nein. Es handelt sich dabei nicht um das Fettgewebe unter der Haut, sondern um das Fett im Bauchraum, das um die Organe gelagert ist. Da kann man nicht hin. Also nur Training oder Ausdauersport, gepaart mit bewusster Ernährung, schaffen hier Abhilfe. Wobei man im Moment nicht genau weiß, was die richtige Ernährung ist. Wenn jemand einen gestörten Fettstoffwechsel hat, kann der Körper mit Fetten, die man zu sich nimmt, gar nichts anfangen und setzt sie an. Fett wird also nicht verbrannt. Auch wenn jemand Hormonstörungen hat, kann er das Fett nicht verarbeiten. Ebenso beeinflusst die hormonelle Funktion der Schilddrüse sehr stark diesen Bereich. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse kann man eigentlich gar nicht abnehmen. Denn dann ist der Stoffwechsel derart verlangsamt.“

HARBOR Magazin: Was hat die Studie noch gezeigt in Sachen Ernährung?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Dass Kohlenhydratverzehr deutlich schlechter ist, als Fettverzehr. Nach dem Ergebnis der Studie beeinflusst ein erhöhter Fettverzehr die Sterblichkeit nicht ausgeprägt. Kohlenhydrate jedoch schon. Das Studienergebnis ist auch für mich etwas überraschend. Denn Kohlenhydrate sind bislang ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Früher sollte die Nahrung zu 50 Prozent aus Kohlehydraten bestehen.“

HARBOR Magazin: Von welchen Mengen an Kohlenhydraten sprechen wir hier nun und von welchen Kohlenhydraten?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Welche Menge wird in der Studie nicht genannt. Die Leitlinien für Obst und Gemüse lagen bislang bei fünf 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag, sprich über 400 Gramm. So viel sollte man nicht unbedingt essen. Die neuesten Erkenntnisse empfehlen drei bis vier Portionen, also etwas weniger. Das beeinflusst den Stoffwechsel günstig. Jedoch wäre ich mit Obst, aufgrund des hohen Fruchtzuckergehaltes, eher zurückhaltend. Was man tatsächlich empfehlen kann, sind Beeren.“

HARBOR Magazin: Das heißt man sollte sich doch wieder an das Jäger- und Sammlerprinzip halten?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München):  „Wenn Sie dabei Fisch essen statt rotes Fleisch, dann ja. Rotes Fleisch hat nachgewiesen einen Zusammenhang mit Dickdarmkrebserkrankungen. Fisch ist also besser, die so genannte mediterrane Diät, mit Olivenöl und genügend Omega 3 Fettsäuren. Mit einem ausreichenden Omega 3 Konsum, durch zum Beispiel Fisch oder Medikamente, kann man den Cholesterinspiegel sehr gut absenken. Bei einem Mangelzustand an Omega 3 empfehle ich 1000 mg pro Tag. Also Fisch, Salat und Gemüse aber möglichst roh und nicht gekocht sind am besten.“

HARBOR Magazin: Wie kommt es denn dazu, dass sich bei einem Menschen die Arterienwand verdickt und beim anderen nicht?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „Hierbei spielen natürlich auch viele genetische Faktoren eine Rolle. Wir sehen öfters, dass auch ganz schlanke Menschen, ohne Übergewicht und ohne auffällige Laborwerte, schon eine ausgeprägte Atherosklerose besitzen. In diesem Fall gehen wir meistens von einer genetischen Prädisposition aus. Zudem lassen wir hier ein Lipidparameter bestimmen. Lipoprotein A und Triglyceride spielen neben dem Cholesterinspiegel eine wichtige Rolle im Prozess der Atherosklerose. Wobei ich sagen muss, dass der Zusammenhang noch nicht 100 prozentig nachgewiesen ist. Dennoch empfehle ich bei einem hohen Lipoprotein A Spiegel schnellst möglich Vorbeugungsmaßnahmen zu ergreifen, auf die Ernährung zu achten.

Eine häufige Ursache der Atherosklerose ist auch ein niedriger HDL Spiegel. HDL ist das Schutzcholesterin, also das gute Cholesterin. Es muss eine bestimme Höhe erreichen damit eine günstige Wirkung erzielt werden kann. HDL High-Density-Lipoprotein-Cholesterin bringt das Cholesterin von den Arterienwänden weg hin zur Leber, wo dieses dann verarbeitet werden kann. Wenn der HDL Cholesterinspiegel zu niedrig ist, dann bleiben die Plaques in den Arterien und im Falle einer Progression und wenn die Plaques eine be-stimme Größe erreichen, wird es sehr gefährlich. Sie können von selbst zerrissen werden, sie platzen. In diesem Fall aktivieren sich sofort bestimmte Blutzellen und verursachen an dieser Stelle ein Blutgerinnsel. Das passiert sehr schnell.“

HARBOR Magazin: Wie schnell?

Dr. med. Peter Ferenczy (Kardiologe der Radiologie Diagnostik München): „In Sekunden. Das Volumen wird sofort verstopft und die nachfolgenden Organe werden nicht mehr mit Blut versorgt. Im Herzen entsteht so eine Herzinfarkt. Wenn die Herzkranz-Arterien plötzlich verstopft werden, benötigt man sofort eine Notarztversorgung.“

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